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Ausgabe 01 – 09/1997 | als PDF herunterladen | Printausgabe gratis
Themen in dieser Ausgabe: • Weihrauch • Prostata • Blasenentzündung bei Frauen
Weihrauch - ein natürliches Heilmittel bei chronischen Entzündungen Diese
Ausgabe befaßt sich mit möglichen therapeutischen Anwendungen von
Weihrauch bei chronischen Entzündungen. Ein weiteres Thema ist die
männliche Prostata. Zum Schluss gibt es Neuigkeiten zur Linderung der bei Frauen häufig auftretenden Blasenentzündung.

Weihrauch - ein natürliches Heilmittel bei chronischen Entzündungen
Weihrauch - ein natürliches Heilmittel bei chronischen Entzündungen Großes
Interesse haben kürzliche Medienberichte über den therapeutischen
Einsatz von Weihrauch bei der Behandlung von chronischen Entzündungen
ausgelöst. "Was ist dran am Weihrauch?" fragen
verständlicherweise vor allem die von solchen Leiden Betroffenen.
Über die erstaunlich lange Tradition des "heiligen Harzes" in der
indischen Heilkunde, neue Forschungsergebnisse und Erfahrungen in der
Anwendung sowie über den gegenwärtigen Stand der Diskussion
informiert der folgende Bericht.

Weihrauch als Kulturgut - in Religion ... Mit
dem Wort "Weihrauch" verbinden wir gewöhnlich die Vorstellung einer
prächtigen katholischen Messe, Priester im Ornat, das Schwenken des
Weihrauch-Kessels, den Rauch und den typischen intensiven Duft.
Und wir erinnern uns, daß Weihrauch - neben Myrrhe und Gold - zu den
Gaben der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland gehörte. Weihrauch,
der in der Antike zu den kostbarsten Spezereien zählte, wurde bereits
im 4. Jahrhundert n. Chr. als Ehrenerweis vor Bischöfen in
Prozessionen verwendet. Sein Gebrauch im Kultus anderer Religionen
reicht freilich noch viel weiter zurück: Den orientalischen
Göttern wurde Weihrauch schon vor 7000 Jahren geopfert. Die Ägypter
verwendeten Weihrauch nicht nur im Kultus, sondern zum
Einbalsamieren, als Räuchermittel und zu reinigenden (desinfizierenden)
Zwecken.
- ... und traditioneller Medizin Weniger bekannt
ist, daß das Harz des indischen Weihrauchbaumes (Boswellia
serrata) in der traditionellen indischen Naturheilkunde des
Ayurveda ("Wissenschaft vom gesunden Leben) seit über 3000 Jahren
als wichtiges Heilmittel eingesetzt wird. Als Salbe wurde
"Guggul" (alte Sanskrit-Bezeichnung der Pflanze) bei Entzündungen,
(v.a.. Gelenkentzündungen), Knochenbrüchen, Drüsenschwellungen und
Geschwüren aufgetragen. Innerlich setzte man es bei chronischen
Darmerkrankungen und Hämorrhoiden ein, sowie bei Entzündungen des
Mundraums.
Neues Interesse an Weihrauch als Heilmittel In
jüngster Zeit wurde in verschiedenen Presse-Veröffentlichungen und auch
im Fernsehen auf erstaunliche Erfolge bei der Behandlung von
rheumatischen Erkrankungen mit Weihrauch-Extrakt (400 mg Trockenextrakt
pro Tablette) berichtet. Bei diesen Erkrankungen spielen
chronische Entzündungen ja eine entscheidende Rolle. Jeder
Betroffene weiß auch, daß die herkömmlichen
Rheuma-Mittel gerade bei längerem oder gar dauerndem Gebrauch schwere
Nebenwirkungen haben können. So verwundert es nicht, daß viele
Rheuma-Patienten die Hoffnung haben, Linderung oder Heilung durch ein
natürliches, unschädliches Präparat, eben Weihrauch, zu
finden. Sind solche Hoffnungen begründet?
Wie wirkt Weihrauch? Neben
zahlreichen anderen Substanzen (z.B. ätherische Öle, Gerbstoffe usw.)
enthält der Weihrauchharz 5 - 8 % Boswelliasäuren. Von den
Boswelliasäuren ist bekannt, daß sie entzündungshemmende
(antiphlogistische) Wirkungen haben. Entzündungen sind
gekennzeichnet durch Rötung, Schwellung, Ödembildung, Wärme und
gestörte Organfunktion. Sie werden im Körper durch ein bestimmtes
Enzym (5-Lipoxygenase) verursacht. Dieses Enzym
veranlaßt die Bildung von sogenannten Leukotrienen. Das
sind körpereigene Stoffwechselprodukte, die für die Aufrechterhaltung
von chronischen Entzündungen verantwortlich sind. Entzündliche
Erkrankungen sind daher mit einer erhöhten Leukotrienen-Bildung im
Organismus verbunden. Gelingt es, die übermäßige
Leukotrienen-Produktion im Körper zu stoppen, so bilden sich die
chronischen Entzündungen zurück. Wir haben oben gesehen,
daß die Leukotrienen-Produktion durch ein bestimmtes Enzym veranlaßt
wird. Inaktiviert man dieses Enzym, können keine Leukotrienen
entstehen. Genau dies tun nun die Boswellia-Säuren. Sie hemmen die
Tätigkeit des Enzyms 5-Lipoxygenase.
Anwendungsbereiche für Weihrauch-Extrakt Wir
haben gesehen, daß - nach dem heutigen Stand der
wissenschaftlichen Erkenntnis - eine erhöhte
Leukotrienenproduktion als ursächlich für die Aufrechterhaltung von
chronischen Entzündungen angesehen wird. Man kann ein Übermaß an
Leukotrienen bei vielen und verschiedenartigen Krankheitsbildern
beobachten. Dazu gehören Krankheiten des rheumatischen Formenkreises,
vor allem die Rheumatische Arthritis, Osteoarthritis, chronische
Gelenkentzündung (Polyarthritis), aber auch die - leider sehr
verbreiteten - entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis
ulcerosa, die Schuppenflechte (Psoriasis) sowie Asthma bronchiale.
Chronische Polyarthritis Um
die Erforschung der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von
Weihrauch-Extrakt hat sich in Deutschland vor allem der Tübinger
Pharmakologe Prof. Hermann P. T. Ammon, verdient gemacht. Er
berichtet über die Ergebnisse einiger klinischer Untersuchungen mit
Weihrauch-Extrakt bei einer limitierten Anzahl von Patienten mit
chronischer Polyarthritis. Prof. Ammon bezeichnet die Ergebnisse als
"vielversprechend" und schreibt: "So zeigte sich in etwa 60 - 70 % der
Fälle ein Rückgang der Schmerzen, der Schwellung und der
Gelenksteifigkeit."
Colitis ulcerosa Prof.
Ammon fährt fort: "Das gleiche scheint für die Behandlung der Colitis
ulcerosa zu gelten, bei der in einer kürzlich in Indien durchgeführten
offenen Studie mit 34 Patienten, die sechs Wochen lang täglich mit
einem alkoholische Extrakt aus dem Harz von Boswellia serrata behandelt
wurden, in 80 % der Fälle eine Remission (Zurückgehen der
Krankheitserscheinungen) auftrat. Die Ergebnisse waren ähnlich denen
einer Kontrollgruppe mit dem Standardpräparat Sulfasalazin."
Eine Fallstudie Besonders
beeindruckend ist ein Bericht der Eltern des 12-jährigen C., der 1992
an Colitis ulcerosa erkrankt war. Der schwere Krankheitsverlauf
erforderte einen 5-monatigen Krankenhausaufenthalt. Behandelt wurde mit
Cortison sowie einer 6-wöchigen reinen Tropfernährung. Die Ernährung
erfolgte dann laut entsprechendem Diätplan. Es trat jedoch keine
entscheidende Besserung ein, der Junge verbrachte jährlich ca. 3 - 6
Wochen im Krankenhaus. Auch eine Hypnosetherapie und eine
Akupunkturbehandlung mit Darmsanierung blieb ohne nennenswerten Erfolg.
Im Sommer 1995 wurde ein Therapieversuch mit Budenofalk unternommen.
Von nun an wurde auch Imurek ständig verabreicht. Auch hier trat keine
durchgreifende Verbesserung des Gesundheitszustandes ein, im Gegenteil:
Ein Orthopäde stellte die Diagnose Osteoporose - eine Folge der
ständigen Cortisongaben. Dannach kam es zu einem neuen schweren
Schub. Man riet den Eltern an, die Entfernung des gesamten Dickdarms in
Erwägung zu ziehen. Im Mai 1996 erfuhren die Eltern von der
Möglichkeit einer Weihrauchtherapie. Sie und der den Jungen behandelnde
Internist sahen diese Therapie als letzten Strohhalm vor einer
eigentlich unausweichlichen Operation. Schon 3 - bis 4 Wochen nach der
Einnahme von Weihrauch trat eine Besserung des Krankheitsverlaufs ein,
die sich bis heute kontinuierlich fortsetzt. Der Junge ist nahezu
beschwerdefrei: der Stuhlgang ist fest und eine bestimmte Diät muß auch
nicht mehr eingehalten werden.
Weihrauch bei Hirntumoren? Der
Bochumer Pharmakologe Prof. Dr. Thomas Simmet berichtet über den
Einsatz von Weihrauch-Extrakt bei einer bestimmten Form von Hirntumoren
(Astrozytom). Bei dieser Tumorart konnten mit dem Weihrauch-Präparat
deutliche klinische Besserungen der Hirndrucksymptome erzielt werden,
außerdem hemmte es das Wachstum der Turmorzellen.
Prof. Simmet
konnte in Zellkulturversuchen und in klinischen Tests zeigen, daß das
Tumorwachstum und die damit auftretenden Ödeme möglicherweise durch
Leukotriene verursacht werden. Die Tumorzellen schütten diese Stoffe
aus und vermehren sich unter ihrem Einfluß weiter; ein Teufelskreis,
der kaum zu durchbrechen ist. Je bösartiger ein Tumor ist, desto mehr
Leukotriene bildet er, sagt Prof. Simmet.
Auf einem
Internationalen Kongreß für Phytotherapie in München präsentierte
Simmet die Ergebnisse, die er zusammen mit dem Neurochirurgen Michael
Winking von der Universität Gießen an 25 Patienten erhalten hatte.
Diese bekamen eine Woche lang einen Trockenextrakt des Boswellia-Baums;
anschließend entfernten die Ärzte die Krebsgeschwulst durch eine
Operation. Bei jedem 2. Krebskranken war der Tumor bereits weitgehend
abgestorben. Die Ödeme wurden ebenfalls kleiner, so daß sich die
neurologischen Ausfälle wie Sprachstörungen in einigen Fällen besserten.
Dosierung Bei
chronischen Beschwerden mit entzündlicher Aktivität (wie z. B.
chronische Polyarthritis) liegt der empfohlene Dosisbereich bei
Langzeitbehandlung zu Beginn der Therapie und bei starken Beschwerden
bei 3 x 800 mg Trockenextrakt täglich, sonst bei 3 x 400 mg
Trockenextrakt. Für Kinder bis 10 Jahre ist die halbe Dosis zu
empfehlen. Das Präparat (in Kapsel- oder Tablettenform verfügbar)
wird nach den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit geschluckt. Symptome
bei Überdosierung, toxische Wirkungen, Nebenwirkungen,
Gegenanzeigen sind bisher nicht bekannt geworden.
Ausblick Die
ungewöhnlich lange Tradition von Weihrauch in der indischen
Erfahrungsmedizin rechtfertigen sicherlich ein Vertrauen in seine
Anwendung. Dies ist für alle von chronischen Entzündungen
Betroffenen besonders wichtig. Es ist zu erwarten, daß die
vielversprechenden bisherigen Ergebnisse durch weitere klinische
Untersuchungen noch stärker wissenschaftlich untermauert
werden können. Das jetzt - nicht zuletzt durch die
Medien angeregte - öffentliche Interesse sollte diese
Forschungsarbeit beflügeln. Prof. Ammon gibt dazu diesen
Ausblick: "Wir sind uns darüber im klaren, daß diese ersten klinischen
Ergebnissse nicht ausreichen, um Zulassungsbehörden von der Wirksamkeit
und Unbedenklichkeit jetzt schon zu überzeugen. Die bisherigen Daten
ermutigen uns jedoch, weitere Untersuchungen darüber anzuregen,
inwieweit Extrakte aus dem Harz von Boswellia serrata oder isolierte
Boswelliasäuren auch bei anderen Krankheiten, bei denen eine vermehrte
Bildung von Leukotrienen eine wichtige Rolle spielt, eine Besserung
herbeiführen. Dies um so mehr, als nicht davon auszugehen ist, daß von
Boswelliaprodukten schwerwiegenden Nebenwirkungen, wie sie bei
klassichen Antiphlogistika/Antirheumika bekannt sind, auftreten."
Bei folgenden Krankheiten werden erhöhte Leukotrienenwerte im menschlichen Körper festgestellt:
Lungenleiden
- Asthma
- Lungenfibrose
- Atmungsschmerzsyndrom bei Erwachsenen
Allergische Störungen
- allergisch verursachte Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung)
- allergisch verursachte Bindehautentzündung
Knochen- und Gewebserkrankungen
- Rheumatoide Arthritis
- Lupus erythematodes (Autoimmunkrankheit ungeklärter Ursache, bei
der es zur Bildung zahlreicher Auto-Antikörper und Immunkomplexen
kommt, die v.a. entzündliche Vorgänge auslösen)
- Gicht
- Lyme Arthritis (rheumatische Erkrankung als spätsymptomatische Folge eines Zeckenbisses.)
Hautleiden
- Psoriasis (Schuppenflechte)
- Urticaria (Nesselsucht)
Gastro-Intestinale Erkrankungen
- Darmentzündungen wie Colitis ulcerosa
- Morbus Crohn
- Bauchspeicheldrüsen-Entzündung
- Leberzirrhose
Störungen des Zentralen Nervensystems
- Astrozytom (Hirntumor)
- Multiple Sklerose
Andere Krankheiten
- Myokordiale Ischämie (Durchblutungsstörungen im Herzbereich)
- Nikotinsucht
- Brüchigkeit/Durchlässigkeit der Blutkapillaren (Haargefäße).
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