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Ausgabe 07 – 06/1999 | als PDF herunterladen | Printausgabe gratis
Themen in dieser Ausgabe: • Antioxidantien für eine verbesserte Sehleistung
• Preisunterschiede bei Nahrungsergänzungen
Preisunterschiede – bei Nahrungsergänzungen Dieser
Artikel befaßt sich mit der Wirkung und Leistung von Antioxidantien bei
verminderten Sehleistungen des Auges. Hier Im zweiten Teil erfahren Sie mehr
über die Ursachen der Preisunterschiede bei Nahrungsergänzungen

Preisunterschiede bei Nahrungsergänzungen Zu
den wichtigsten Faktoren, die den Preis eines Nährstoff-Präparates
bestimmen, gehört die Reinheit der verwendeten Zutaten. Mit Recht
erwarten wir als Verbraucher, daß die für solche Präparate
verwendeten Rohstoffe von höchster Qualität und frei von
Verunreinigungen durch Fremdsubstanzen sind. Leider ist das, besonders
bei Billigangeboten, nicht immer der Fall. So fanden sich
besispielsweise in Vitamin-C-Präparaten, deren Ascorbin-Säure aus China
stammte, Spuren von giftigen Schwermetallen. Ascorbin-Säure, Vitamin C,
wird hauptsächlich aus Mais hergestellt. Der Mais wird zunächst durch
einen chemischen Prozeß in Zucker (d-Ribose) umgewandelt. Dann wird der
Zucker durch einen weiteren chemischen Verarbeitungsprozeß in
Ascorbinsäure umgewandelt. Ist der verwendete Rohstoff (Mais)
verunreinigt, z.B. durch Schwermetalle aus der Umwelt, so müssen diese
toxischen Stoffe eliminiert werden. Das ist aufwendig und verteuert das
Endprodukt.

In ähnlicher Weise werden aus natürlichen Rohstoffen, z. B. Sojabohnen,
wertvolle Mikronährstoffe wie essentielle (lebensnotwendige)
Aminosäuren, Kreatin, Carnitin oder das vor allem für die
Herzgesundheit so wichtige Coenzym Q 10 synthetisiert. Auch hier ist
bei der Herstellung selbstverständlich sicherzustellen, daß die
fertigen Präparate völlig frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen
sind, die eventuell bei der Aufzucht der Ausgangsrohstoffe angefallen
sind, z. B. Rückstände von Pestiziden. Die Reinheit des Präparates im
Sinne der Abwesenheit von (möglicherweise gesundheitsgefährdenden)
Fremdsubstanzen muß gewährleistet sein.
Aber es tritt bei der Herstellung von Aminosäuren, Creatin, Carnitin
oder Q 10 noch ein anderes Reinheitsproblem auf, das der Isomerie.
Darunter versteht man das Auftreten unterschiedlicher (chemischer oder
physikalischer) Eigenschaften bei Substanzen mit gleicher Summenformel.
Die chemische Summenformel bezeichnet die in einer Substanz enthaltenen
Elemente und ihre Anzahl; Wasser z. B. enthält 2 Atome Wasserstoff
(Abk. H) und 1 Atom Sauerstoff (Abk. O), die Summenformel ist
entsprechend H20. Die Summenformel sagt aber nichts über die Struktur
des Moleküls aus, also die räumliche Anordnung der Atome im
Molekül. Bei der Synthese zusammengesetzter Substanzen kommt es vor,
daß Moleküle mit gleicher Summenformel, aber unterschiedlicher
Struktur oder räumlicher Anordnung entstehen, z. B. treten
spiegelbildliche Anordnungen auf. Bei Aminosäuren bezeichnet man 2
sonst identische, aber spiegelbildliche Verbindungen als D- oder
L-Form. Das Gemisch spiegelbildlicher Moleküle mit gleicher
Summenformel (also bei Aminosäuren das Gemisch von D- und L-Form) wird
von den Chemikern Racemat genannt.
Die Bedeutung dieses Sachverhalts wird sogleich deutlich, wenn wir
bedenken, daß die Aminosäuren-Moleküle bestimmte Funktionen in unserem
Körper erfüllen sollen. Sie tun dies, indem sie sich in den
Stoffwechselvorgängen des Organismus mit körpereigenen Molekülen
verbinden. Die erwünschte Verbindung muß “passen” wie der rechte
Handschuh auf die rechte Hand. Ein spiegelverkehrtes Molekühl “paßt”
sowenig wie der linke Handschuh auf die rechte Hand. Ein
Aminosäuren-Molekül kann also seine biologisch gewünschte
Aktivität im Körper nur entfalten, wenn es zu den körpereigenen
Rezeptor-Molekülen “paßt”. Das ist bei Aminosäuren die L-Form. (Es gibt
allerdings eine Ausnahme, Phenylalanin, wo auch die D-Form eine eigene
biologische Aktivität aufweist).
“Reinheit” bei Aminosäure-Präparaten würde also auch bedeuten, daß daß
Präparat möglichst zu 100 % (und nicht nur zu 85 oder 90 % wie bei
manchen Billig-Anbietern) aus der L-Form besteht. Man kann diese
Reinheit erzielen, weil es möglich ist, die spiegelverkehrte D-Form (in
einem zusätzlichen, kostenaufwendigen Arbeitsgang) aus dem Gemisch
herauszufiltern, so daß schließlich nur die vom Körper verwertbare
L-Form übrigbleibt.
Was passiert mit den nicht “passenden” Molekülen? Sie werden -
bestenfalls - ungenutzt ausgeschieden. Es kommt aber auch vor, daß sie
sich mit Rezeptor-Molekülen im Körper verbinden, für die sie gar nicht
gedacht sind. Das ist u. U. riskant und stellt auf jeden Fall
eine unnötige Belastung des Organismus dar.
Ein tragisches Beispiel dafür, welche dramatischen Auswirkungen von
Racemats ausgehen können, war eine der größten durch Arzneimittel
verursachten Katastrophen, die die Bundesrepublik vor nunmehr 25 Jahren
heimsuchte, der sogenannte Contergan-Fall.
Damals kamen, wie sich viele von Ihnen erinnern werden, zahlreiche
Kinder auf die Welt, die Mißbildungen, vor allem verstümmelte
Gliedmaßen, aufwiesen. Es stelle sich heraus, daß die Mütter der
mißgebildeten Kinder während ihrer Schwangerschaft das neu entwickelte
Schlafmittel “Contergan” genommen hatten. Wie konnte es zu dieser
Katastrophe kommen?
Wie aus einem ebenso lesenswerten wie aufschlußreichen
Bericht der vorletzten Ausgabe der Zeitschrift “Raum und Zeit”
hervorgeht, war die eigentliche Ursache ein unerkanntes
Racemat-Problem. Die eine Form des (als pharmakologische Substanz in
Contergan verwendeten) Thalidomid-Moleküls wirkte
beruhigend und schlaffördernd, die spiegelverkehrte Form des Moleküls,
die ebenfalls in Contergan enthalten war, weil das für harmlos gehalten
wurde, hatte die schrecklichen Auswirkungen auf die Entwicklung der
Föten im Mutterleib.
Die amerikanische Überwachungsbehörde F.D.A. hat Thalidomid seinerzeit
übrigens nicht zugelassen und so eine ähnliche Katastrophe in den USA
vermieden. Ich erwähne dies, weil wir Deutschen gelegentlich auf die
Kontroll-Behörden anderer Länder herabschauen und unser eigenes System
für besonders sicher halten; auch, weil uns das von Politik und
Verwaltung immer gesagt wird. Die FDA-Beamtin, die das Verbot
seinerzeit gegen heftigen Widerstand durchsetzte, tat dies, weil ihr
die Langzeitwirkungen zu wenig geprüft erschienen. Sie erhielt für ihre
Standhaftigkeit später einen Orden von Präsident Kennedy.
Kehren wir zu unseren Nährstoff-Präparaten zurück. Wir haben gesehen,
daß es Qualitäts-Unterschiede gibt, die sich zwangsläufig auch in nicht
unerheblichen Preis-Unterschieden niederschlagen. Nun ist der Preis
eines Produktes allein nicht immer ein zuverlässiges Merkmal für
Qualität, aber mit ziemlicher Sicherheit läßt sich sagen, daß ein allzu
billiges Produkt kaum hochwertig sein kann. Dies gilt vor allem für die
hier besprochenen synthetisch erzeugten Micronährstoffe, zu denen alle
Aminosäuren, Creatin, L-Carnitin und auch das Coenzym Q 10 gehören.
Hier ist Qualität und Reinheit von besonderer Wichtigkeit.
Die namhaften Anbieter, vor allem in den USA beachten diese
Grundregel schon aus Haftungsgründen. Für uns als Verbraucher ist die
Sorgfalt und der höhere Aufwand lohnend, auch wenn wir etwas mehr
zahlen müssen; denn wir können auf diese Weise sicher sein, ein
optimales Produkt mit hoher Bioverfügbarkeit zu erhalten.
Weiteres Thema in dieser Ausgabe:
Antioxidantien für eine verbesserte Sehleistung
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