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Ausgabe 44 NWzG 08/2010 Langfristige Gewichtsreduktion durch gezielte Nährstoffgabe

 
   
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Ausgabe 42 – 11/2008 | als PDF herunterladen | Printausgabe gratis

Themen in dieser Ausgabe:

• OPC aus Weintrauben
• Sulforaphan aus Brokkoli: Wirkstoff gegen Tumorstammzellen

OPC aus Weintrauben

Sulforaphan aus Brokkoli

Autor: Dr. Michaela Döll


In diese Ausgabe erfahren Sie mehr über das sogenannte "Französische Paradox" - also dem geringeren Herz-, Kreislaufrisiko der franz. Bevölkerung, bedingt durch eine ausgewogenere Ernährung mit Obst und Gemüse plus einem moderaten Weingenuss.


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Eine großangelegte Untersuchung hat bereits vor Jahren ergeben, dass die
französische Bevölkerung (vor allem im Süden des Landes), im Vergleich zu anderen Industrienationen (Nordeuropa, USA), ein deutlich reduziertes Herz-, Kreislaufrisiko hat – und das obwohl die klassischen Risikofaktoren wie ein erhöhter Gesamtcholesterinspiegel, Bluthochdruck, Rauchen oder Übergewicht dort nicht seltener vorkommen als in den untersuchten anderen Regionen. Beim Fettverzehr und dem Nikotinkonsum stehen die Franzosen sogar an erster Stelle, weswegen man dieses Phänomen auch als „French Paradox“ bezeichnet hat. Im Vergleich zu den Nordeuropäern wird in (Süd)frankreich nicht nur deutlich mehr Obst und Gemüse konsumiert, sondern es wird auch moderat Wein getrunken – und das häufig täglich. Dabei wird die Menge von 1–2 Gläsern, die genüsslich zum Essen konsumiert werden selten übertroffen.

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Weintrauben
– geballte Kraft an protektiv wirksamen Vitalstoffen

Wein besteht zu 80–85 % aus Wasser und zu 15–20 % aus völlig unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die u. a. durch die Weintraubensorte,
die Vegetationsbedingungen und der Art der Weinbereitung beeinflusst wird. Inzwischen sind die interessanten Inhaltsstoffe der Weintrauben und des Weins gut untersucht, obgleich die Forschung in diesem Bereich noch immer auf Hochtouren läuft. Neben Vitaminen (z. B. Vitamine der B-Reihe, Vitamin C) und Elektrolyten (z. B. Magnesium, Kalium), die in den Weinbeeren und im Wein vorkommen, sind es
vor allem die Polyphenole, die von besonderem Interesse sind. Diese große Gruppe der bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffe, kann in weitere Untergruppen unterschieden werden. In den Weintrauben bzw. im Wein finden sich u. a. Phenolsäuren, wie z. B. Hydroxyzimt- und Hydroxybenzoesäuren,
Bioflavonoide wie z. B. oligomere Proanthocyanidine OPC) und das Hydroxystilben Resveratrol. Die genannten phenolischen Verbindungen sind potente Radikalfänger und leisten einen Beitrag zur Minderung von „oxidativem Stress“, der nicht nur die Alterung des Organismus, sondern auch die Entstehung von chronisch-degenerativen Erkrankungen begünstigen kann (siehe unten). Am interssantesten sind in diesem Zusammenhang die oligomeren Proanthocyanidine (OPC), deren radikalfangenden Eigenschaften weitaus besser ist als jene des weitaus bekannteren Vitamin C oder Vitamin E.

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Oxidativer Stress als Krankheitsursache
Der menschliche Organismus ist häufig einer hohen Belastung an aggressiven,
zelltoxischen freien Radikalen ausgesetzt. Diese attackieren nahezu alle Biomoleküle (vorzugsweise Fette und Proteine, aber auch das Erbgut) und verursachen deren oxidative Schädigung. Kapillarbrüchigkeit, gestörte Enzymfunktionen und Erbgutschäden können die Folge dieser Oxidationen sein. Die daraus resultierenden Zellschäden sind verstärkend bei einer Reihe von degenerativen Erkrankungen mitbeteiligt. Auch der Alterungsprozess wird durch das vorzeitige Absterben der geschädigten Zellen begünstigt.

Oxidativer Stress entsteht dann, wenn freie Radikale nicht mehr neutralisiert
werden können. Dieser Überhang an freien Radikalen oder eine unzureichende Radikalinaktivierung kann sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken. Diese winzigen, reaktionsfreudigen Teilchen können bei einer Reihe von Stoffwechselvorgängen im Körper entstehen oder z. B. durch Umweltgifte vermehrt im Organismus freigesetzt werden (Tabelle 1).

Freie Radikale sind an der Entstehung und am Fortschreiten diverser degenerativer Erkrankungen wie z. B. der Herz-, Kreislauf-, Krebs- oder Augenerkrankungen mitbeteiligt (Tabelle 2). Auch bei neurodegenerativen
Erkrankungen wie z. B. Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson vermutet man eine Beteiligung der aggressiven Radikalspezies. Eine Überproduktion an freien Radikalen führt durch unkontrollierte oxidative Prozesse zur Schädigung von Zellen und Geweben und provoziert deren vorzeitige Alterung. Im Bereich der Gefäße begünstigen freie Radikale die Oxidation der LDL-Partikel und die Entstehung sogenannter „Schaumzellen“, die als wesentlicher Bestandteil der Plaques betrachtet werden und einen maßgeblichen pathogenetischen Faktor für Herzinfarkt und Schlaganfall darstellen. Freie Radikale schädigen aber auch die Kraftwerke der Zellen – die Mitochondrien – und sorgen damit für Energiedefizite und (vorzeitige) Zelluntergänge. Weiterhin greifen diese reaktionsfreudigen Partikel das Erbgut, die DNA, an und können über die Veränderung des oxidationsempfindlichen Erbgutes durch Mutagenese an der Entwicklung von Krebserkrankungen mitbeteiligt sein.

 Tabelle 1
 Endogene und exogene Quellen
 EndogeneExogene
Immunabwehr
Entzündungen
Sport
Stress
Medikamenteneinnahme
Schwermetalle
Umweltgifte
Pestizide
Rauchen
Röntgenstrahlung
Solariumsbesuche
Sonnenbaden
Flugzeugreisen

In einer großen dänischen Studie, die über einen Zeitraum von 12 Jahren mit mehr als 13.000 Frauen und Männern (Alter 30–79 Jahre) durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, dass die völlige Weinabstinenz, im Vergleich zum moderaten Weinkonsum mit 1–2 Gläsern Wein/Tag, mit einem deutlich höheren Herzinfarktrisiko einhergeht. Anders ausgedrückt: die Weintrinker hatten eine um 56 % niedrigere Herzinfarktrate. Bier und Schnaps erhöhten dagegen das Risiko für den Herztod signifikant. Man zog aus dieser Studie den Schluß, dass es wohl weniger der Alkohol als viel mehr die Inhaltsstoffe der Weintrauben und des Weins sein müssen, welche für die gefäßschützende Wirkung in Frage kommen.
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OPC – effizienter Zellschutz aus der Weintraube
Bioaktive – und insbesondere antioxidativ wirksame - Schutzstoffe sind in den vergangenen Jahren deutlich in den Fokus krankheitsvorbeugender (...) therapeutischer Maßnahmen gerückt. Eine pflanzenreiche Kost zeigt eine Schutzwirkung gegen degenerative Zivilisationserkrankungen wie beispielsweise Herz-, Kreislauf-, und Krebserkrankungen. Im Focus der Grundlagen – und angewandten medizinischen Forschung stehen vor allem die antioxidativ wirksamen Schutzstoffe. Dabei gelten die oligomeren Proanthocyanidine (OPC), die zu den Bioflavonoiden gehören, allgemein als „Antioxidantienverstärker“,
welche die radikalinaktivierende Wirkung anderer Antioxidantien (z. B. von Vitamin C) um ein Vielfaches verstärken können.

Epidemiologische Studien weisen auf gefäß- und herzschützende Effekte von OPC hin, die u. a. auf das antioxidative Potential dieser Substanzen zurückzuführen sind. Sie deaktivieren freie Radikale, hemmen oxidativ wirksame Enzyme und binden überschüssige, radikalfördernde Metalle wie beispielsweise Eisen oder Kupfer. OPC selbst ist ein effizienter Radikalfänger, der sowohl in wasserlöslichen als auch in fettlöslichen Zellkompartimenten aktiv ist. OPC wirkt zudem gefäßentspannend und kann einen günstigen Einfluß auf die Fließeigenschaften des Blutes entfalten. In diversen Studien zeigte sich eine signifikant umgekehrte Korrelation zwischen der Bioflavonoidaufnahme und dem Auftreten von Herz-, Kreislauferkrankungen. Die Patientengruppen mit der höchsten Flavonoidaufnahme wiesen in einer großangelegten Untersuchung sogar eine um 50 % verminderte Gesamtsterblichkeit.

Flavonoide hemmen, neben den gefäßschädigenden, oxidativen Prozessen,
auch die Cyclo- und Lipooxygenasen bzw. die Freisetzung ihrer Reaktionsprodukte Prostaglandine und Thromboxane wirken damit einer Thrombozytenaggregation entgegen. Die Blutgefäßpermeabilität
beeinflussende Wirkung hat den Flavonoiden Ende der dreißiger
Jahre des letzten Jahrhunderts die Bezeichnung Vitamin P eingebracht.


 Tabelle 2
 Erkrankungen („Free Radical Diseases“) und medizinische
Phänomene, die mit den freien Radikalen in Verbindung stehen
(Auswahl)
Alterungsprozesse
Atherosklerose
Chronische Polyarthritis
Colitis
Diabetes mellitus
Entzündungsprozesse
Hämolytische Anämien
Hauterkrankungen (UV-Schäden)
Katarakt
Krebs
Leberschäden
Morbus Alzheimer
Morbus Parkinson
Multiple Sklerose
Pankreatitis
Reperfusionsschäden
Rheuma
Umweltbedingte Erkrankungen


Schließlich liegen inzwischen auch Hinweise auf chemopräventive Wirkungen und antientzündliche Effekte von OPC vor. In einer aktuell veröffentlichten Untersuchung (2008) wurde die günstige Wirkung von OPC auf die Gefäßgesunderhaltung erneut belegt. An der Studie nahmen 61 Personen mit bestehenden verschiedenen Herz-, Kreislauf-Risikofaktoren (u. a. Bluthochdruck, Diabetes mellitus) teil. Im Vergleich zur Placebogruppe konnte nach einer zweiwöchigen Anwendung von OPC ein positiver Einfluß auf den Fettstoffwechsel, den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel nachgewiesen werden. Ebenso wurde in der OPC-Gruppe eine drastische Senkung des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein) – um 52 % – beobachtet. Dieser gilt als eigenständiger Risikofaktor, der für sich allein den Gefäßen Schaden zufügen kann, daher ist eine Reduktion dieses entzündungsanzeigenden Akut-Phase-Proteins, im Sinne der Gefäßgesunderhaltung wünschenswert.
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Die Wirksamkeit von OPC aus Weintrauben ist messbar!
Die Effizienz antioxidativ wirksamer Nahrungsmittel und der darin vorkommenden Radikalfänger ist quantifizierbar und ermöglicht damit Vergleichswerte. Eine anerkannte und häufig angewendete Methode zur Erfassung der gesamten antioxidativen Kapazität von Nahrungsmitteln bzw. deren Bestandteilen ist die ORAC-Bestimmung („Oxygen Radical Absorbance Capacity). Dieser Wert repräsentiert die antioxidative Kapazität gegenüber den freien Radikalen und gilt als Maß für die radikalinaktivierenden Eigenschaften eines Stoffs oder eines Lebensmittels. Es ist möglich Weintraubenextrakte herzustellen mit einer besonders hohen Anreicherung an OPC und, damit verbunden, besonders hohen ORAC-Werten. So haben vergleichende Untersuchungen gezeigt, dass, der ORAC-Wert von 400 mg (Tagesdosis) des Weintraubenextraktes „Powergrape“ (von NATUREX) in etwa demjenigen von 750 g Weintrauben oder 8 Gläsern Rotwein entspricht. Der antioxidative Wert dieses Weintraubenextraktes ist zudem deutlich höher als jener vergleichbarer Mengen an den Vitaminen C und E.

„Powergrape“ (NATUREX) wurde auch bei Sportlern eingesetzt. Diese unterliegen im Zuge ihres sportlichen Trainings oder auch während eines Wettkampfs einem erhöhten oxidativen Stress, der u. a. durch eine Erniedrigung der antioxidativen Kapazitäten zum Ausdruck kommt. In der Folge können sich Leistungseinbußen, Muskelkrämpfe und eine erhöhte Verletzungsgefahr einstellen. Die Sportler, die an dieser Studie teilnahmen, konsumierten für die Gesamtdauer von 3 Wochen diesen speziellen Weintraubenextrakt. Zu Beginn und am Ende der gesamten Beobachtungsdauer wurden Blutuntersuchungen zur Erfassung des oxidativen Stress durchgeführt.

Interessanterweise konnte durch die Anwendung von „Powergrape“ (NATUREX) nicht nur eine deutliche Minderung der oxidativen Belastung festgestellt, sondern auch ein Anstieg anderer Antioxidantien beobachtet werden. So nahm der Vitamin C-Spiegel deutlich (um 64 %) zu. Gleichzeitig konnte ein Anstieg der Coenzym Q10 Konzentration im Blut – um 97 % – aufgezeigt werden. Weiterhin verbesserte sich durch den Weintraubenextrakt die Aktivität antioxidativ wirksamer Enzyme wie z. B. der Superoxiddismutase oder der Glutathionperoxidase.

Somit liefert der Weintraubenextrakt nicht nur auf direktem Wege hochpotente Antioxidantien, sondern übt gleichzeitig einen Einsparungseffekt auf andere körpereigene, antioxidativ wirksame Schutzstoffe aus, wodurch das Risiko für radikalinduzierte Folgeschäden doppelt gemindert werden kann.
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Sulforaphan aus Brokkoli:
Wirkstoff gegen Tumorstammzellen


Dass Brokkoli viele Mineralien und Vitamine enthält, ist seit langem bekannt. Jetzt konnten deutsche Forscher zeigen, dass das Gemüse offenbar auch einen Wirkstoff gegen die Tumorstammzellen von Bauchspeicheldrüsenkrebs enthält. Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um das so genannte Sulforaphan, das laut den Forschern der Universität Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum die widerstandsfähigen Tumorstammzellen schwächt und sie so verwundbar mache. Diese besonders aggressiven Stammzellen schützen sich mit einem speziellen Mechanismus, gegen den selbst die neusten Krebsmedikamente bislang nichts ausrichten konnten. Sulforaphan legt diesen Mechanismus lahm, erklären die Wissenschaftler, die bei Versuchen mit Zellkulturen und Mäusen zeigen konnten, dass der Wirkstoff die Blutgefäßbildung im Tumor und das Tumorwachstum hemmt, dabei aber keine Nebenwirkungen verursacht. Der Effekt wird durch die zusätzliche Gabe von Krebsmedikamenten
noch verstärkt.

Damit bestätigt diese Studie die Ergebnisse einer kanadischen Untersuchung mit 1338 Patienten aus dem letzten Jahr, die zeigte, dass Krebspatienten durch den Konsum von Brokkoli und Blumenkohl vor der Metastasierung des Tumors geschützt werden können. Brokkoli hat den höchsten Sulforaphan Gehalt.

In Deutschland erkranken jährlich rund 12.650 Menschen an einem äußerst aggressiven Tumor der Bauchspeicheldrüse. Das Pankreaskarzinom
bildet Metastasen in anderen Organen und ist gegenüber gängigen
Therapien weitgehend unempfindlich. In anderen Tumoren sind in der Regel weniger als 3 % der Krebszellen Tumorstammzellen. Das Pankreaskarzinom beherbergt dagegen 10 Prozent und mehr solcher aggressiven Zellen. Speziell hier kann der Wirkstoff Sulforaphan – auch und gerade in Kombination mit schulmedizinischer Therapie – zu Hoffnung Anlass geben!
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