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Ausgabe 26 – 04/2004 | als PDF herunterladen | Printausgabe gratis
Themen in dieser Ausgabe: • DHA – EPA – LA – GLA – die Wirkung essentieller Fettsäuren
• Unentbehrlich für das Herz – CoEnzym Q10
DHA-EPA-LA-GLA – die Wirkstoffe der essentiellen Fettsäuren Dieser
Artikel befaßt sich mit den Wirkstoffen der essentiellen
Fettsäuren, deren Erforschung ernsthaft erst in den 50er Jahren
des 20 Jahrhunderts begann. Im zweiten Teil weisen wir auf die
Unentbehrlichkeit des CoEnzym Q10 für unseren Herzmuskel hin.

Die Wirkstoffe der essentiellen Fettsäuren
DHA – EPA – LA – GLA
Beschäftigt man sich mit den essentiellen Fettsäuren, fällt auf,
wie relativ neu die Erkenntnisse sind von ihrer umfassenden Bedeutung
für unsere Gesundheit. Waren die Vitamine zum Großteil schon zu Beginn
des letzten Jahrhunderts als lebensnotwendige Bausteine unserer
Ernährung erkannt, dauerte es bis zum Verständnis der essentiellen
Fettsäuren noch fast bis zum Ende des Jahrhunderts. Vielleicht maß man
den Fettsäuren am Anfang nicht die Bedeutung zu, die ihnen heutzutage
ohne Zweifel zusteht und die schon fast zu Allgemeinwissen geworden
sind. Vielleicht war es auch die Komplexität des Gebietes, die seine
Erforschung so langwierig und schwierig gestaltete. Viele Klippen
mußten umfahren werden und schwerwiegende Fehler wurden begangen, bis
der Erkenntnisstand von heute erreicht war.


Rückblick
Die ernsthafte Auseinandersetzung der Wissenschaftler mit den
essentiellen Fettsäuren begann in den fünfziger Jahren des letzten
Jahrhunderts. Eine für die damalige Zeit neue Form der Herzattacke
bereitete den Ärzten große Sorge: Gesund aussehende Menschen erlagen
ihr und zwar nicht in Folge einer Infektion oder eines angeborenen
Defekts oder wegen des erreichten Alters (sie waren meist zwischen 40
und 50 Jahren). Au-topsien brachten durch Plaque verengte Arterien zum
Vorschein und die Begriffe „Arteriosklerose“ und „Koronare
Herz-erkrankung“ gelangten traurigerweise in unseren Sprachgebrauch.
Bei der Analyse der Ernährungsgewohnheiten der Amerikaner stellten die
Wissenschaftler fest, dass allgemein zuviel gesättigtes Fett durch
Fleisch und zuwenig ungesättigtes Fett konsumiert wird. Beides aber war
schlecht für das Herz. Die Ärzte begannen ihren Patienten nahezulegen,
darauf zu achten, dass sie genügend ungesättigte Fette in ihrer
Nahrungsaufnahme einbauten. Die Wirtschaft spielte mit und antwortete
mit Tonnen von mehrfach ungesättigten Fetten für den kommerziellen und
für den Hausgebrauch. Das Land wurde überflutet mit Mais-, Erdnuss- und
Sonnenblumenöl, alle wunderbare Lieferanten der essentiellen Fettsäure
Omega-6. Die Familie der Omega-3-Fettsäuren ging dabei vollkommen unter
- mit fatalen Folgen. Die Amerikaner litten weiter unter
Arteriosklerose und den Wissenschaftlern dämmerte allmählich, wie
komplex das Gebiet der essentiellen Fettsäuren war. Die Unterschiede
zwischen der Familie der Omega-3-Fettsäuren und der Omega-6-Fett-säuren
kristallisierten sich langsam heraus. Die Wichtigkeit beider “Familien”
für die Gesundheit stellte sich immer mehr heraus.
1980 entdeckten Forscher wie frei von Herzerkrankungen die Eskimos in
Grönland waren und das sogar, obwohl sie Unmengen von Fett aßen. Die
dänischen Wissenschaftler Bang und Dyerberg stellten in Studien fest,
dass die Blutfettwerte der Eskimos deutlich besser waren als die der
Amerikaner und des Durchschnitteuropäers. Obwohl sich die Eskimos durch
einen hohen Fleischverzehr relativ fett- und cholesterinreich ernähren,
haben sie statistisch gesehen eine drastisch verringerte
Herzinfarktrate (7%) im Vergleich beispielsweise zu den Westeuropäern
(50%). Man fand heraus, dass die traditionelle Eskimoernährung einen
eher niedrigen Anteil an Omega-6-Fett-säuren besitzt, dafür aber einen
sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren (Robben, Walfleisch und Fisch)
aufweist. Damit war die bedeutende Rolle der Omega-3-Fettsäuren für die
Gesundheit offensichtlich geworden.
Viele unserer Zivilisationserkrankungen wie Allergien, Asthma, Koronare
Herzerkrankung, Bluthochdruck, entzündliche Erkrankungen wie Rheuma
oder Darmerkrankungen (Morbus Chron, Colitis ulcerosa) und Krebsarten
wie Brust- und Kolonkarzinom werden mit dem ausgeprägten Konsum von
Omega-6-Fettsäuren und dem viel zu geringen Omega-3-Fett-säureanteil
unserer Ernährung in Zusammenhang gebracht.
Beide Familien der essentiellen Fettsäuren - die Omega-3-Fette und die
Omega-6-Fette - sind jedoch unverzichtbar für das Wohlbefinden. Wie
sich noch zeigen wird, ist das Verhältnis von beiden für die Gesundheit
entscheidend.

Omega-6-Fettsäuren
Die wichtigsten Omega-6-Fettsäuren sind Linolsäure (LA),
Gamma-Lino-lensäure (GLA), Dihomo-Gamma-Linole-nsäure (DHLA) und
Arachidonsäure.
Omega-3-Fettsäuren
Zu den wichtigsten Omega-3-Fettsäuren gehören Alpha-Linolensäure (LNA),
Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).
Alpha-Linolensäure findet sich in Algen, Farnen und Moosen und einigen
pflanzlichen Ölen. Generell überwiegt jedoch in pflanzlichen Fetten bei
Weitem der Omega-6-Fettsäure-anteil.
Die wichtigste Nahrungsquelle für die Omega-3-Fettsäuren
Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sind
Kaltwasserfische. Der Omega-3-Fettsäuregehalt ist dabei umso höher, je
kälter das Meerwasser ist, in dem die Fische leben. Phytoplankton, das
den Seefischen als Nahrung dient, ist die primäre
Omega-3-Fettsäurequelle.

Das Verhältnis von Omega-3 und Omega-6
Omega-3 und Omega-6-Fettsäuen sind wesentliche Bestandteile aller
Körperzellen und bewirken unter anderem, daß die Zellen elastisch sind.
Das ist sowohl für eine geschmeidige Haut notwendig als auch für die
verschiedensten Zelltypen im Körperinneren. Erst bei einem
ausreichenden Anteil ungesättigter Fettsäuren können diese Zellen
optimal funktionieren. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind außerdem
das Ausgangsmaterial für die sogenannten Eicosanoide. Das sind Stoffe,
die verschiedene lebensnotwendige Vorgänge im Körper regulieren. Dazu
gehören der Blutdruck, die Blutgerinnung und die Blutfettspiegel.
Eicosanoide aus Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren haben oft
entgegengesetzte Wirkungen. Die Balance zwischen diesen Botenstoffen
ist daher für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Das kann nur
über ein ausgewogenes Verhältnis der beiden Fettsäure-Familien in der
Nahrung erfolgen. Aus Omega-3-Fettsäuren werden vorwiegend solche
Botenstoffe gebildet, die vor einer Arterienverkalkung schützen können.
Daher sollte verstärkt auf einen ausreichenden Verzehr von
Omega-3-Fett-säuren aus fetten Seefischen geachtet werden, insbesondere
dann, wenn viele Omega-6-Fettsäuren aus pflanzlichen Fetten und Ölen
verzehrt werden.

Die essentiellen Fettsäuren
Die Hauptbestandteile aller Fette sind Fettsäuren. Jede Fettsäure
wiederum basiert auf den gleichen Elementen: Kohlenstoff, Sauerstoff
und Wasserstoff. Diese Elemente sind angeordnet in Molekülen zu den
sogenannten Fettsäuren. Der fettige Teil eines Fettsäure-Moleküls
besteht aus Kohlenstoff-Atomen, die zu einer Kette verbunden sind. Der
Säure-Teil besteht aus Wasserstoff- und Sauerstoff-Atomen, die mit dem
Ende der Kohlenstoff-Kette verbunden sind. Eine Kette kann aus 4 bis zu
28 Kohlenstoff-Atomen bestehen. Die Fettsäuren werden klassifiziert in
kurz-, mittel- oder langkettige Fettsäuren, je nach Länge ihrer Kette
eben. Je länger die Fettsäureketten in einem Fett, desto schwerer ist
es zu verdauen oder zu schmelzen.
Fettsäuren können gesättigt, ungesättigt und mehrfach ungesättigt sein.
Dies ist festgelegt durch die Anzahl von Doppelbindungen in einer
Fettsäurekette. Eine gesättigte Fettsäure (z.B. Stearinsäure,
Palmitinsäure) weist keine Doppelbindung auf, einfach bzw. mehrfach
ungesättigte Fettsäuren sind dagegen mit einer (Ölsäure) oder mehr
(z.B. Linolsäure) Doppelbindungen bestückt. Mit steigender Anzahl von
Doppelbindungen steigt die Reaktionsfreude des Stoffes, da die
Bindungsmöglichkeiten nicht alle genutzt werden. Dies ist auch der
Grund dafür, dass Fette mit einem großen Anteil reaktionsfreudiger
ungesättigter Fettsäuren schneller verderben. Für den menschlichen
Körper gilt: Die reaktionsträgen, gesättigten Fettsäuren wandern
zumeist direkt in die Depots, während die reaktionsfreudigeren,
ungesättigten Fettsäuren bevorzugt bei den organischen Bauprozessen
eingesetzt werden.
Herkunft der Fette
Nach der Herkunft gibt es tierische und pflanzliche Fette. Während die
Fette tierischen Ursprungs in der Regel hauptsächlich gesättigte Fette
enthalten, findet man bei bestimmten Pflanzen, aber auch in Fisch große
Anteile ungesättigter Fettsäuren.
Darüber hinaus kann man nach der Zustandsform zwischen flüssigen (z.B.
Öle), halbfesten (z.B. Butter, Schmalz) und festen Fetten (z.B.
Kernfett, Talg) unterscheiden. Allgemein gilt: Flüssige Fette haben
einen hohen Anteil an kurzkettigen und ungesättigten Fettsäuren, feste
hingegen weisen einen großen Anteil langkettiger und gesättigter
Fettsäuren auf. Schließlich kann man unter dem Gesichtspunkt der
Verarbeitung zwischen naturbelassenen Nahrungsfetten wie beispielsweise
kaltgepressten Ölen aus Disteln und Oliven und bearbeiteten
Nahrungsfetten unterscheiden. Zu letzteren gehören raffinierte Fette
wie Speiseöl oder gehärtete Fette wie Erdnuss- und Kokosfett.
Als essentielle Fettsäuren bezeichnen wir jene, die im Körper nicht
selbst synthetisiert werden können und daher bei der Ernährung
zugeführt werden müssen. Dies sind vor allem mehrfach ungesättigte
Fettsäuren sowohl aus der Gruppe der Omega-3 als auch aus der Gruppe
der Omega-6-Fettsäuren. |

Eicosanoide – Schlüssel unserer Gesundheit
Die Eicosanoide kann man die „Superhormone“ unseres Körpers nennen. Sie
kontrollieren nicht nur alle Hormonsysteme, sondern praktisch
jede physiologische Vitalfunktion: das Herz-Kreislauf-System, das
Immunsystem, das Zentralnervensystem, das Fortpflanzungssystem und so
weiter. Genau betrachtet ist die Aufgabe der Eicosanoide keine
Geringere als Gesundheit und Leben zu erhalten.
Die Familie der Eicosanoide umfaßt eine breite Palette an
„Superhormonen“ mit zungenbrecherischen Namen: Prostaglandine,
Thromboxane, Leukotriene, Lipoxigenase und hydroxilierte Fettsäuren.
Die Gruppe der Eicosanoide wurde 1936 entdeckt. Da sie aus der Prostata
isoliert wurden, nannte man die ersten entdeckten Eicosanoide
Prostaglandine. Dann stellte sich heraus, dass die Prostaglandine nur
ein Teil der großen Familie der Eicosanoide bildeten. In den vierziger
Jahren fanden Wissenschaftler eine weitere rätselhafte Biochemikalie,
die sie zunächst „slow-reacting-Subs-tance“ (SRS) nannten. Diese
Erkenntnis führte schließlich zur Entdeckung der Leukotriene, einer
anderen Unterklasse von Eicosanoiden, die unter anderem die
Bronchokonstriktion und die Allergien kontrollieren. Später in den
siebziger Jahren fand man die Prostacycline und Thromboxane – zwei
Schlüssel-Eicosanoide bei Herzleiden. In den 80-ziger Jahren wurden
weitere Gruppen von Eicosanoiden entdeckt, unter ihnen Lipoxigenasen
und hydroxilierte Fettsäuren. Diese Eicosanoide sind bei
Entzündungsprozessen und der Regulierung des Immunsystems von
Bedeutung. Alle diese Eicosanoide wirken in der Einzelzelle und haben
außerordentlich viele verschiedene und starke Wirkungen.

Auf ein gesundes Gleichgewicht kommt es an
Wie sich beispielsweise das Cholesterin aus einem „guten“ und einen
„schlechten“ Wert zusammensetzt, gibt es auch „gute“ und „schlechte“
Eicosanoide. Wie sich an den folgenden Beispielen zeigt, sind beide
Formen unverzichtbar für unsere Gesundheit, entscheidend ist jedoch das
Gleichgewicht dieser gegensätzlichen Wirkungen.
Nehmen wir das Beispiel der Thrombozytenaggregation. Die
Thrombozytenaggregation ist nur eine fachliche Bezeichnung für die
Bereitschaft einer als Thrombozyten bekannten Blutzellenart, sich in
Klumpen aneinander zu lagern. Gute Eicosanoide halten die Thrombozyten
vom Aneinanderlagern (einer Aggregation) ab, schlechte Eicosanoide
fördern es. Wenn Thrombozyten zur falschen Zeit miteinander verklumpen,
kann sich ein Blutpfropf entwickeln, der einen Herzinfarkt oder
Schlaganfall auslösen kann. Wenn man sich aber schneidet, will man,
dass die Thrombozyten verklumpen, damit die Blutung gestoppt wird.
Hätte man zuwenig schlechte Eicosanoide, würde man verbluten.
Das gleiche gilt für den Blutdruck. Zu viele schlechte Eicosanoide
bewirken hohen Blutdruck, da sie die Gefäße engstellen
(Vasokonstriktion). Zu viele gute Eicosanoide bewirken niedrigen
Blutdruck (Vasodilation), der zum Schock führen kann.
Was auf die Thrombozytenaggregation und den Blutdruck zutrifft, ist
auch für Schmerzen, Entzündungen, das Immunsystem und vieles andere
gültig: Ein Ungleichgewicht an guten und schlechten Eicosanoide
bedeutet Krankheit.
Wie man der Tabelle entnehmen kann, unterstehen praktisch alle
Körperfunktionen, die wir für selbstverständlich halten, der Kontrolle
der Eicosanoide. Offenbar brauchen wir ein dynamisches Gleichgewicht
guter und schlechter Eicosanoide, um das biologische Gleichgewicht
aufrecht zu erhalten. Wir bleiben gesund, wenn wir das Gleichge-wicht
erhalten!
1982 wurde der Nobelpreis der Medizin für die Erforschung der
Eicosanoide verliehen. Denn mit dieser Entdeckung begann auch eine neue
Sichtweise in der Medizin. Mit Hilfe des neu entdeckten Musters lassen
sich viele, wenn nicht alle Krankheiten, zu einem Gesamtbild
verknüpfen.Praktisch jede Krankheit, ob Herzleiden, Krebs oder
Erkrankungen des Immunsystems wie Arthritis und Multipler Sklerose läßt
sich auf Molekülebene so verstehen, dass der Körper einfach mehr
schlechte als gute Eicosanoide produziert. Für manche Menschen bedeutet
dieses Ungleichgewicht Herzleiden, für andere Krebs, Arthritis oder
Fettsucht. Umgekehrt heißt eine Neudefinition von Gesundheit im Sinne
guter und schlechter Eicosanoide, dass eine einfache, aber elegante
Moleküldefinition von Wohlbefinden existiert: Wir sind dann gesund,
wenn der Körper ausgewogen „gute“ und „schlechte“ Eicosanoide
produziert.
Wirkung der guten und der schlechten Eicosanoide
“Gute” Eicosanoide:
- hemmen Thrombozytenaggregation
- -fördern Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße)
- -hemmen Zellwucherungen
- -stimulieren Immunantworten
- -wirken entzündungshemmend
- -verringern Schmerzübertragung
“Schlechte” Eicosanoide:
- fördern Thrombozytenaggregation
- fördern Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße)
- fördern Zellwucherungen
- unterdrücken Immunantworten
- wirken entzündungsfördernd
- verstärken Schmerzübertragung
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Eicosanoide und die essentiellen Fettsäuren
Die ausreichende Aufnahme essentieller Fettsäuren entscheidet darüber,
ob wir genügend Eicosanoide bilden. Und nicht nur das: es kommt auf das
Verhältnis an von Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren, ob wir mehr „gute“
als „schlechte“ Eicosanoide bilden bzw. ein gesundes Gleichgewicht
herstellen können.
Das Rohmaterial zur Produktion aller Eicosanoide sind also die
essentiellen Fettsäuren. Sie müssen mit dem Nahrungsfett zugeführt
werden, da der Körper sie nicht selber herstellen kann. Wie die
Fehleinschätzung der amerikanischen Mediziner gezeigt hat, die ihren
Herzpatienten nur Omega-6-Fette anrieten, fördern hohe Werte der
Omega-6-Fette ohne die zügelnde Wirkung der Omega-3-Fette tatsächlich
die Erkrankungen, von denen angenommen wurde, dass sie sie verhindern.
Wie wichtig aber nicht nur die Omega-3-Fettsäuren sind sondern auch die
Omega-6-Fettsäuren und die daraus gebildeten Eicosanoide zeigt sich bei
der notwendigen Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolensäure.
Gamma-Linolensäure ist die wichtigste Fettsäure für die Gesundheit. Die
Vorstufe davon, die Linolsäure, kommt in fast jeder Nahrung vor:
Eiweiß, Gemüse und sogar Getreide. In den meisten Fällen gilt: Je höher
der Fettanteil eines Nahrungsmittels, desto höher der Linolsäuregehalt.
Diese Linolsäure wird durch einen mehrstufigen Prozess umgewandelt in
ein Eicosanoid. Der erste Schritt in diesem Umwandlungsprozeß findet
statt, wenn ein Schlüsselenzym namens Delta-6-Desaturase die Linolsäure
zu einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, der Gamma-Linolen-Säure
(GLA) nämlich, synthetisiert. Anders als Linolsäure, die in fast jeder
Nahrung zu finden ist, kommt GLA so gut wie nie vor. Die an GLA
reichste Quelle ist die Muttermilch.
GLA wird als „aktivierte“ essentielle Fettsäure betrachtet, weil sehr
kleine Mengen die Stoffwechselleitungen füllen, die es dem Körper
ermöglichen, andere aktivierte essentielle Fettsäuren zu bilden. Wenn
der Körper aus irgendeinem Grund nicht genug aktivierte essentielle
Fettsäuren wie GLA produziert, gibt es keine Möglichkeit, daraus
Eicosanoide zu bilden und keinen Weg, die Körperfunktionen zu
optimieren.
Omega-6-Fettsäuregehalt
ausgewälter Nahrungsmittel
Nahrungsmittel Omega-6-Fettsäuregehalt je
Linolsäure (LA)
Sonnenblumenöl
Sojaöl
Pflanzenmargarine
Diätmargarine
Arachidonsäure (AA)
Schweineschmalz
Schweineleber
Eigelb
Schweinespeck
Gamma-Linolensäure (GLA)
Borretschöl bis
Nachtkerzenöl bis
Omega-3-Fettsäuregehalt
ausgewählter Nahrungsmittel
Nahrungsmittel Omega-3-Fettsäuregehalt je
Alpha-Linolensäure
Leinsamenöl
Rapsöl
Eicosapentaensäure
Hering
Lachs
Markrele
|
100 g
62,2 g
54,2 g
23,1 g
46,3 g
1.700 mg
870 mg
297 mg
250 mg
25 g
10 g
100 g
54,2 g
9,15 g
2,3 g
0,65 g
0,95 g
|

Es gibt zwei Lebensabschnitte, in denen die Fähigkeit des Körpers, GLA
aus Linolsäure herzustellen, gefährdet ist und eine möglicherweise
einschneidende Unterbrechung in der Eicosanoid-Produktion ensteht – der
guten wie der schlechten. Der erste Abschnitt folgt auf die Geburt. Es
dauert ungefähr sechs Monate, bevor das Enzym Delta 6-Desaturase danach
seine volle Aktivität erreicht. Während dieser Zeit erfolgt die
lebenswichtige Versorgung mit GLA (die das Kind noch nicht wirksam
bilden kann) ausschließlich durch die Muttermilch. Das erklärt, warum
Babys, die gestillt wurden, meist gesünder und schlanker sind als
Flaschenbabys. Sie bekommen mehr GLA mit der Nahrung und können daher
mehr gute Eicosanoide bilden. Kuh- oder Sojamilch, die für Babynahrung
verwendet werden, enthalten praktisch kein GLA.
Sechs Monate nach der Geburt, wenn Delta 6-Desaturase voll aktiv wird,
können Säuglinge entwöhnt werden, weil sie nun selbständig Linolsäure
aus der Nahrung in entsprechende Mengen GLA umwandeln können.
Der zweite Abschnitt, in dem die Fähigkeit des Körpers, GLA herzustellen gefährdet ist, folgt auf das dreißigste Lebensjahr.
Mit dem Alterungsprozeß verlangsamt sich die Tätigkeit von Delta
6-Desaturase. Wissenschaftliche Untersuchungen lassen vermuten, dass
die Eicosanoidbildung im Alter von 65 Jahren nur noch ein Drittel der
mit 25 Jahren möglichen Produktion ist. Darüber hinaus sind viele
chronische Erkrankungen, die mit dem Alterungsprozeß zusammenhängen
(Herzerkrankungen, Arthritis, Krebs) eng verbunden mit dem
Eicosanoid-Ungleichgewicht (wenn nicht sogar einem richtigen Mangel).
Das könnte von einer Verlangsamung der Delta-6-Desaturase-Tätigkeit
herrühren. Mit zunehmenden Alter wird es immer schwieriger, eine
optimale Menge an GLA herzustellen.
Deshalb macht es auch Sinn, Omega-6-Fettsäuren wie Nachtkerzenöl oder
Borretschsamenöl, die sehr viel Gamma-Linolensäure (GLA) enthalten,
zuzuführen. Der Körper wird dann nicht mehr gefordert die Arbeit des
Umwandeln aus der Linolsäure in die Gamma-Linolensäure zu vollziehen.
Damit erscheint es schlüssig, dass wir beide Omega-Familien essentiell
benötigen um uns vor Krankheit zu schützen. Die Kunst ist es, sie so
ausgewogen wie möglich zuzuführen.

Zusammenfassung
Wie wir gesehen haben wird das labile Gleichgewicht der Eicosanoide
durch unsere Aufnahme essentieller Fettsäuren bestimmt. Das richtige
Verhältnis der Fettsäuren zueinander ist dabei entscheidend und das
bedeutet für uns Deutschen immer, dass wir mehr Omega-3-Fettsäuren
aufnehmen müssen. Aber wie sich gezeigt hat brauchen wir auch die
Omega-6-Fettsäuren essentiell um GLA zu bilden und weitergehend daraus
die „guten“ und „schlechten“ Eicosanoide. Mit zunehmenden Alter wird
das immer wichtiger, da unserer Körper abbaut und mit Hilfe des Enzyms
Delta 6-Desaturase immer weniger GLA herstellt.
Was uns die Geschichte der Fettsäuren gezeigt hat, ist, dass wir sie
immer so ausgewogen wie möglich, das bedeutet im optimalen Falle im
Verhältnis 1:1 bis 3:1, aufnehmen sollten. Nach neuesten Erkenntnissen
der Wissenschaft nimmt die Eicosanoid-Bildung aus GLA mit zunehmenden
Alter ab, was eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation
bedeutet. Auch GLA sollte damit notwendigerweise direkt aufgenommen
werden.
Auf eine optimale Zufuhr essentieller Fettsäuren zu achten sollte so
wichtig sein wie sich ausreichend mit Vitaminen zu versorgen. Viele
Zivilsationskrankheiten könnten so verhindert werden.


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