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Ausgabe 09 – 12/1999 | als PDF herunterladen | Printausgabe gratis
Themen in dieser Ausgabe: • Volkskrankheit Osteoporose • Bioaktive Carotinoide
Beta-Carotin – und andere bioaktive Carotinoide
 Dieser
Artikel befaßt sich mit der Volkskrankheit Osteoporose. Brüchige
Knochen belasten ca. 75 Millionen Menschen in Europa, Japan und USA.
Im zweiten Teil dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit den bioaktiven
Carotinoiden und Ihren antioxidativen und krebshemmenden Eigenschaften.

Über Bio-Carotin und andere bioaktive Carotinoide, Ihre antioxidativen und krebshemmenden Eigenschaften und was bei ihrer Anwendung beachtet werden sollte.

Wissenschaftler bemühen sich immer, die Phänomene, die sie untersuchen,
auf möglichst wenige oder sogar eine einzige Ursache zurückzuführen.
Dieses Prinzip gilt auch in der Medizin. Ist eine Krankheit
diagnostiziert, d. h. dann besteht das Ideal darin, genau die
Arznei-Substanz zu finden und zu verabreichen, die die Fähigkeit
besitzt, heilend auf die ermittelte Krankheitsursache einwirken
zu können. Um sie gezielt therapeutisch einzusetzen, muss der Mediziner
also selbstverständlich wissen, welche Eigenschaften die von ihm
verordneten Arzneimittel haben.
Auch die Forscher, die sich mit den Bestandteilen unserer Nahrung und
ihren physiologischen Funktionen in unserem Körper befassen, wenden
diese Methodik an. Sie identifizierten zunächst einzelne Substanzen,
beispielsweise Vitamin C, und untersuchten dann die Rolle, die diese
Einzelsubstanzen im Organismus spielen, welche Folgen ein Mangel hat
usw.
Sie wiesen auf diese Weise nach, daß Vitamin C - um bei diesem
Beispiel zu bleiben - die Fähigkeit besitzt, Skorbut zu verhindern.
Nachdem diese Eigenschaft des Vitamins C bekannt war, konnte es gezielt
eingesetzt werden, um den Ausbruch der Krankheit zuverlässig zu
verhindern.
Den Wirkmechanismus einzelner Vitamine zu erkennen, war eine großartige
wissenschaftliche Leistung, denn dadurch wurde ihr praktischer
Einsatz für die Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit von Mensch
und Tier überhaupt erst möglich. Dennoch bemerkten die Forscher bald,
dass die isolierten Vitamine, die später dann zunehmend nicht mehr aus
den natürlichen Nahrungsquellen gewonnen, sondern in industriellen
Verfahren künstlich synthetisiert wurden,
zum Teil weniger wirksam waren oder andere Eigenschaften
aufwiesen als in ihrem ursprünglichen natürlichen Nahrungsverbund.
Ein gutes Beispiel, um diesen Sachverhalt und seine Bedeutung zu
illustrieren, ist das Beta-Carotin. Um seine Rolle besser zu verstehen,
ist an dieser Stelle noch eine Vorbemerkung nötig:
Als die Hauptursache degenerativer Erkrankungen, Krebs,
Herzleiden und sogar als primärer Auslöser des alterungsbedingten
Abbaus von Organfunktionen gelten heute die freien Radikale. Das sind
aggressive Substanzen, die unsere Körperzellen angreifen, ihre Funktion
schwächen und schließlich zerstören können. Sie lösen in den Zellen
unerwünschte Oxidationsvorgänge aus; die Belastung des Organismus durch
freie Radikale wird deshalb auch als “oxidativer Stress” bezeichnet.
Oxidativer Stress lässt uns vorzeitig altern und macht uns anfällig für
Krebs und Herzleiden. Die Natur stellt uns nun Nahrungsbestandteile zur
Verfügung, unser körpereigenes Abwehrsystem stärken und die
Angriffe der gefährlichen Radikale neutralisieren können. Diese
“Radikalenfänger” werden auch Antioxidantien genannt.
Zu den wirksamsten Antioxidantien gehört neben den Vitaminen A, C und E
und dem Spurenelement Selen der Pflanzenfarbstoff Beta-Carotin.
(Mit diesem Pigment schützt sich die Pflanze selbst vor oxidativem
Stress, dem sie z. B. durch die ultraviolette Strahlung der Sonne
ausgesetzt ist.) Der Oxidationsschutz, den Beta-Carotin dem
menschlichen Organismus geben kann, wurde in Hunderten von
wissenschaftlichen Untersuchungen eindeutig nachgewiesen. Eine
bedeutsame Tatsache, die meist übergangen wird, war dabei der Umstand,
dass das für die meisten dieser Untersuchungen verwendete Beta-Carotin
aus natürliche Nahrungsquellen stammte, also aus Grünkohl, Tomaten,
Brokkoli, Spinat oder Wassermelonen.
Mitte der 90er Jahre wurden die Ergebnisse von zwei groß angelegten
Studien veröffentlicht, die weltweit große öffentliche Beachtung
fanden, die so genannte Finnland-Studie und die amerikanische
CARET-Studie. Neben positiven Erkenntnissen ergab sich in beiden
Studien ein alarmierendes - und in der Folgezeit kontrovers
diskutiertes - Ergebnis: Die Rate der während des Verlaufs der
Untersuchung an Lungenkrebs Erkrankten lag am Ende bei der
Beta-Carotin-Gruppe höher als bei der Vergleichsgruppe, die kein
Beta-Carotin genommen hatten. Was war geschehen? Hatten am Ende die
Vitamingegner recht, die den Nutzen einer Supplementierung schon immer
in Zweifel gezogen hatten?
Für die ernsthaften Vitaminforscher waren diese negativen Ergebnisse
nicht ganz so unerwartet wie für die breite Öffentlichkeit, zumal beide
Studien gravierende methodische Mängel hatten, die die
Aussagekraft der Ergebnisse infrage stellten. Aber ein anderer Punkt
war entscheidend:
Das in diesen Versuchen verwendete Beta-Carotin enthielt keins der
anderen Mitglieder der Carotin-Familie, mit denen es im natürlichen
Zusammenhang stets gemeinsam auftritt. Verabreicht wurde eine
isolierte, im Labor synthetisch erzeugte Substanz. Dadurch wurde ein
Grundprinzip der lebendigen Natur verletzt, welches lautet: “Alles ist
mit allem verbunden.”
Beta-Carotin entfaltet seine eigenständigen antioxidativen,
immunstärkenden und krebshemmenden Eigenschaften erst, wenn es
mit den anderen Antioxidantien (vor allem Vitamin C, E und Selen)
zusammen im Organismus anwesend ist. Und es entfaltet seine Fähigkeiten
am besten, wenn es dem Körper in seinem natürlichen Zusammenhang, also
zusammen mit anderen Carotinoiden, vor allem Alpha-Carotin, Lutein,
Lycopen und Zeaxanthin, zugeführt wird. Wo dieser Grundsatz beachtet
wurde, zeigten sich positive Resultate. (So ergab sich seither bei der
mit 30.000 Teilnehmern durchgeführte Linxian-Studie, bei der die
Probanden Beta-Carotin, Vitamin E und Selen erhielten, ein Rückgang der
durch Krebs verursachten Todesfälle von 13 % und ein Rückgang der
Sterblichkeit insgesamt von 9 % gegenüber der unbehandelten
Vergleichsgruppe.)
Die Lehren, die wir als Verbraucher aus diesen Studien ziehen können, sind einfach:
- Wir nutzen die protektive Aktivität von Beta-Carotin am besten,
wenn wir gleichzeitig die Versorgung mit den anderen
Antioxidantien, vor allem Vitamin C, E und Selen, sicherstellen.
- Den größten gesundheitlichen Nutzen liefern Beta-Carotin-Präparate, die auch die anderen Carotinoide enthalten.
Die besten natürlichen Quellen für diese Carotin-Complexe sind
die Mikroalge Dunaliella salina, andere Algen wie Spirulina, Karotten,
Zitronengras und Yams-Wurzel.
Beta-Carotin - vor allem als Pro-Vitamin A, welches in der Leber nach
Bedarf in Vitamin A umgewandelt werden kann - ist
zwar das weitaus populärste Mitglied der grossen
Carotinoid-Familie, aber eben nur eins von über 600 bis jetzt
bekannten Familienmitgliedern. Davon kommen etwa 50 in
essbaren Früchten und Gemüsesorten vor. Ihre gut erforschten
Hauptvertreter, Alpha-Carotin, Beta-Carotin, Lutein, Zeaxanthin und
Lycopen haben so eindrucksvolle protektive Fähigkeiten, dass sie als
die “Star-Antioxidantien” des 21. Jahrhunderts angesehen werden. So
berichtet der bekannte Vitaminkenner und Autor Earl Mindell, dass
Alpha-Carotin z. B. bis zu zehnmal wirksamer als Beta-Carotin
sein kann, um Haut, Augen, Leber und Lunge vor Schäden durch Freie
Radikale zu schützen. Bei Tieren hat man eine drastische Reduzierung
von Tumoren festgestellt. Lutein ist besonders hilfreich zum Schutz der
Augen, denn es kann Radikale ausschalten, die durch schädliche
UV-Strahlung erzeugt werden. Lutein zögert so die gefürchtete
Makuladegeneration hinaus, die die häufigste Ursache für
Blindheit bei Menschen über 65 ist. Einen ähnlichen Schutz bietet auch
das Carotinoid Zeaxanthin.
Lycopen, der rote Farbstoff in Tomaten und Wassermelonen, hemmt nach
den Angaben von Earl Mindell das Wachstum vieler Arten von
Krebszellen und bietet erhöhten Schutz vor den Karzinogenen im
Tabakrauch und vor der UV-Strahlung im Sonnenlicht. Raucher mit
niedrigem Lycopen-Spiegel erkranken viermal häufiger an
Lungenkrebs als Raucher mit hohen Lycopenwerten im Blut. Die höchste
Konzentration von Lycopen findet sich in der Prostata-Drüse und man
weiß schon lange, dass Männer, die regelmäßig (lycopenreiche)
Tomaten-Produkte verzehren, ein deutlich geringeres Risiko haben, an
Prostatakrebs zu erkranken.
Da die Blutlycopenwerte mit zunehmendem Alter sinken, rät Mindell
deshalb: “Wenn Sie älter als 50 Jahre sind und nicht täglich
Tomatenprodukte zu sich nehmen, empfiehlt sich also 1 Kapsel mit 6 - 10
mg Lycopen täglich zum Essen.”
Erst kürzlich führte das Ann-Karmanos-Krebs-Institut in Detroit eine
Studie mit 30 Patienten durch, bei denen Prostata-Krebs
festgestellt und ein chirurgischer Eingriff geplant war. Die Männer
wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt. Die erste
Gruppe erhielt täglich 30 mg Lycopen, die andere Gruppe ein Placebo.
Nach einem Monat waren die PSA-Werte, ein Mass für die Tumor-Aktivität,
bei der Lycopen-Gruppe um 20 % gefallen; bei den Patienten, die das
Scheinpräparat genommen hatten, waren die Werte unverändert. Die Ärzte
stellten auch fest, dass sich das von Krebs befallene Gewebe bei den
Lycopen-Anwendern in den Prostata-Drüsen weniger ausgebreitet hatten.
Es zeigten sich sogar schon Anzeichen von Rückbildungen sowie eine
verringerte Bösartigkeit.
Weiteres Thema in dieser Ausgabe:
Volkskrankheit Osteoporose
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